Bergtouren zu den Essener Hütten am Fuße des Großvenedigers

Essens „Gipfel“ zu ersteigen, bedarf keiner großen Anstrengung. An der Preutenborbeckstraße in Heidhausen befindet sich der höchste Punkt der Stadt – gerade mal 202,54 Meter über dem Meeresspiegel. Wer allerdings Essens am höchsten gelegenes Haus besuchen will, der muss erst einmal knapp 850 Kilometer mit Auto oder Bahn anreisen und sollte zumindest ein wenig Erfahrung im alpinen Bereich sowie eine gute Kondition mitbringen. Im österreichischen Maurertal mitten im Naturpark Hohe Tauern liegt die Essener und Rostocker Hütte auf 2208 Metern. Und unweit davon im Umbaltal befindet sich die 2038 Meter hoch gelegene Clarahütte, ebenfalls im Besitz der Sektion Essen des Deutschen Alpenvereins.

Gemeinhin gilt der Spätsommer als die beste Jahreszeit für Bergtouren. Und in den Monaten August und September herrscht dann auch auf den Hütten am Fuße des 3666 Meter hohen Großvenedigers, Österreichs fünfthöchstem Gipfel, ein reger Betrieb. Auch viele Mitglieder der DAV-Sektion Essen reisen in dieser Zeit nach Osttirol.

Ausgangspunkt für die Touren zur Essener und Rostocker Hütte sowie zur Clarahütte ist das Bergsteigerdorf Prägraten am Ende des Virgentals. Vom Wanderparkplatz Ströden geht’s dann in zweieinhalb Stunden hinauf zu den Bergunterkünften. Wer die Mühen des Aufstiegs nicht scheut, der wird mit einem Traumpanorama belohnt: Saftige Weiden, ein Hochmoor, das von vielen kleinen Bächen und Seen gespeist wird, dahinter gewaltige Gletscher und Felsen.

Die Essener und Rostocker Hütte besteht in ihrer heutigen Form seit 1967. Seitdem sind die beiden ursprünglich eigenständigen Hütten durch einen Mittelbau verbunden. Die Rostocker Hütte wurde 1912 mit 27 Übernachtungsplätzen errichtet. 1966 wurde von der gleich nebenan die Essener Hütte als Ersatz für die im Nachbartal zerstörten Vorgängerbauten eröffnet. 1999 ging das Haus vollständig in den Besitz der DAV-Sektion Essen über.

Die Essener und Rostocker Hütte liegt am Venediger-Höhenweg und ist mit ihren 39 Lagerplätzen sowie 75 Zimmerbetten ein wichtiger Übernachtungs-Stützpunkt und Ausgangspunkt für Hochtouren. Etappenziele sind die Johannishütte, die Sajathütte und die Eisseehütte. Am Weg zur Johannishütte befindet sich der Klettersteig Türmljoch.

Noch nicht ganz abgeschlossen sind die Bauarbeiten an der Clarahütte im benachbarten Umbaltal. Im Winter 2012 war die Hütte von einer Schneelawine getroffen und beschädigt worden. Die Betriebsgebäude und Anlagen der Hütte wurden völlig zerstört. Mit viel Eigeninitiative und tatkräftiger Unterstützung zahlreicher Alpenvereins-Mitglieder wurden die Schäden repariert, ein Erweiterungsbau realisiert sowie ein neues Wasserkraftwerk errichtet. Seit wenigen Wochen sind neben 16 Matratzenlagern die ersten acht neuen Zimmer bezugsfertig und bieten den Gästen der mehr als 140 Jahre alten Bergunterkunft jetzt mehr Komfort.

Nachdem im vergangenen Jahr Architekt Klaus Mathoy als Hüttenwirt eingesprungen war, wird das Haus nun durch die Sektion Essen selbst geführt. Kasia und Andrzej, die bisher auf der Essener und Rostocker Hütte tätig waren, haben die Leitung übernommen, freiwillige Helfer kümmern sich bis zum Saisonende Anfang Oktober um die Bewirtschaftung und die Gästebetreuung. Weitere Informationen: www.dav-essen.de

Michael Köster

Bilder: © Virgental-Tourismus

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