Denkmalschutz für das Grugabad? – Brief des ESPO an den Oberbürgermeister

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Paß,

nachdem das Hauptbad als nicht „schutzwürdig“ erachtet wurde, wird nun darüber nachgedacht, das Grugabad der Nachwelt zu erhalten und unter Denkmalschutz zu stellen. Wir beziehen uns auf die Artikel aus der örtlichen Tagespresse vom 21. Mai 2014.

An dieser Stelle möchten wir das Bädergutachten von 2008 in Erinnerung rufen, an deren Erstellung der Essener Sportbund e.V. maßgeblich beteiligt war. Das Bädergutachten wurde von uns angestoßen, weil alle politischen Parteien vor dem Hintergrund der Rahmendaten des Haushalts einer Reduzierung des Sportetats auf zunächst 20 Mio. € zugestimmt hatten. In diesem Zusammenhang war Vorgabe, die Ausgaben für den Betrieb der Essener Bäder auf 10 Mio. € zu deckeln.

Aufgrund dieser Rahmenbedingungen wurde ein Lösungsvorschlag erarbeitet, aus dem sich im Weiteren der sogenannte Bäderkompromiss ergab. Ein Bestandteil dieses Kompromisses war die Ersatzlösung für das zu erneuernde Hauptbad am Thurmfeld. Die Entscheidung, das Hauptbad aufzugeben und dafür an anderer Stelle ein Ersatzbad zu schaffen, ist weder dem Essener Sportbund e.V. noch der Sparte Schwimmen, die die Essener Schwimmvereine im ESPO vertritt, leicht gefallen. Das Hauptbad hat für die Ausbildung des Schwimmnachwuchses und als Wettkampfstätte für regionale und überregionale Wettkämpfe eine zentrale Schlüsselfunktion. Dass diese Ausbildung von Erfolg gezeichnet ist, beweisen die vielen nationalen und internationalen Erfolge der Essener Schwimmerinnen und Schwimmer. Die Startgemeinschaft Essen gehört zu den erfolgreichsten Schwimmvereinen Deutschlands.

Die Essener Schwimmvereine hätten sich seinerzeit sehnlichst einen Denkmalschutz für das Hauptbad gewünscht; damit wäre ihnen das Hauptbad erhalten geblieben. Stattdessen hat sich das Bädergutachten rein pragmatisch an den Vorgaben ausgerichtet und präzise ermittelt, welche Bedarfe bestehen und wie diese Bedarfe unter den Finanzvorgaben (10 Mio. € für den Betrieb inkl. Instandsetzung) zu realisieren sind. Mit diesen Vorgaben wurde das neue Bad am Thurmfeld geplant. Ein modernes Bad, das aber rein zweckmäßig konzipiert wurde und die Aktivitäten der Schwimmvereine sehr eingrenzt. So müssen zukünftig Zelte hinzugestellt werden, um bei größeren Veranstaltungen die Aktiven und Teile der Zuschauer unterbringen zu können. Notwendige Ausstattungsstandards wie Kampfrichterplätze, Geschäftsstelle u.v.a. werden unter Beteiligung der Sparte finanziert. All diese Kompromisse wurden eingegangen, um die Finanzvorgaben einhalten zu können.

Trotz erheblicher Einsparungen, Übernahme von Aufgaben und massiven Rückbaus von Sportinfrastruktur läuft der Sportetat auf ein strukturelles Defizit von jährlich 3,5 – 4 Mio. € zu. Die nun beabsichtigte Unterschutzstellung des Grugabades läuft letztendlich auf eine weitere Belastung des Sportetats hinaus. Dass das Grugabad einen erheblichen Instandsetzungsbedarf aufweist, ist nicht erst durch das Bädergutachten bekannt. Durch das Bädergutachten wurden aber die Bedarfe deutlicher. Das Grugabad ist ein rein freizeitorientiertes Bad und nimmt für die Essener Schwimmvereine eine untergeordnete Rolle ein. Aus diesem Grunde haben wir uns in unseren Handlungsempfehlungen zum Bädergutachten 2008 zu einer Neuorientierung der Standorte Schwimmzentrum Rüttenscheid in Verbindung mit dem Grugabad ausgesprochen. Dieser Vorschlag fand aber keine Mehrheit und mündete später in den Bäderkompromiss. In der nachfolgenden Diskussion zum Bäderkompromiss und der Frage, wie gehen wir mit dem Grugabad um, wurde schnell deutlich, dass unter Beibehaltung der vorhandenen Wasserflächen eine Sanierung des Grugabades mindestens 10 Mio. € verschlingen würde. Weder die Sanierungskosten in dieser Größenordnung noch die Kosten, die für die Belange des Denkmalschutzes anfallen, sind im Sportetat verankert.

Wir möchten an dieser Stelle keineswegs falsch verstanden werden. Auch wir würden uns als Essener Sportbund auf ein renoviertes Grugabad freuen. Ein Denkmal, das an die vergangene Zeit erinnert. Im WDR/Aktuelle Stunde war am 20. Mai 2014 ein Bildbeitrag zu sehen, der an die 50-jährige Geschichte des Grugabades erinnert. Eindrucksvoll konnte man aus Filmen der Anfangszeit erkennen, welchen Erholungswert das Grugabad für die Bevölkerung hatte. Zum damaligen Zeitpunkt eine tolle und notwendige Einrichtung, da das Freizeitverhalten anders ausgerichtet war. Das Grugabad mit dem großen Wellenbecken war ortsnah und schnell zu erreichen und vermittelte den Menschen zudem eine Art von „Urlaubsfeeling“. Heute sind Ziele mit größerem Aufenthalts-, Spaß- und Erlebniskick schnell erreichbar. Das hat natürlich auch Auswirkungen auf die Besucherzahlen, die sich im Laufe der Zeit halbiert haben.

Die Unterschutzstellung greift derlei Veränderungen nicht auf; hier zählt alleine der architektonische Ansatz. Rückbau und Reduzierung der Wasserflächen unter dem Gesichtspunkt des Freizeitverhaltens und der Finanzierbarkeit sind untergeordnete Gesichtspunkte bei der Beurteilung des Denkmalschutzes, jedoch wichtige Fragen im Hinblick auf die Auswirkungen des Sportetats.

An dieser Stelle soll nicht der Bäderkompromiss neu diskutiert oder aufgerollt werden. Aber zur Klarstellung: Der ESPO hat 2008 in den zuvor beschriebenen Handlungsempfehlungen zum Bädergutachten Ergänzungen eingebracht, die im Einklang mit den ermittelten Bedarfen als auch mit den einzuhaltenden Kosten standen. Diese Vorschläge sind nicht von allen politischen Parteien getragen worden und mündeten letztendlich in einen Bäderkompromiss. Die Mehrkosten hieraus wurden an anderer Stelle kompensiert, was nicht immer zur Freude der (Schwimm)Vereine erfolgte.

Vor diesem Hintergrund ist unsere Sorge berechtigt, dass Kosten, die aus einer Unterschutzstellung für das Grugabad resultieren, zu Lasten des Sportetats gehen. Aufgrund des strukturellen Defizits wäre das nicht akzeptabel, da diese Mehrbelastungen dann durch Kompensierung im Bäderbereich oder anderen Sportbereichen erfolgen müssen.

Wir haben uns dazu bereit erklärt, bei der Neuausrichtung der Sportlandschaft aktiv zu helfen und das Angebot auf das Nötigste zu reduzieren. Zudem übernehmen wir Aufgaben, um unseren Beitrag zur Haushaltskonsolidierung einzubringen. Mit Stolz können wir sagen, dass der Sport ein gutes Beispiel ist. Wenn sich aber die Politik dazu entschließt, die notwendigen Rahmenbedingungen aus nachvollziehbaren Gründen zu erweitern oder, wie im Falle des Grugabades, Außenstehende Anforderungen an diese Stadt stellen, dürfen die hieraus resultierenden Mehrbelastungen nicht zu Lasten des Sportetats erfolgen. Eine weitere Belastung, die durch eine Unterschutzstellung des Grugabades zu erwarten ist, kann nicht mehr im Sportetat aufgefangen werden und darf nicht zu Lasten der Essener Sportvereine gehen.

Mit sportlichen Grüßen

Dr. Bernhard Görgens                                                          Gerd Kämpkes

1. Vorsitzender                                                                     2. Vorsitzender

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