Ein Hauch von großer Handballwelt beim TuSEM

Ein Hauch von großer weiter Handballwelt wehte am Mittwochabend mal wieder durch die Sporthalle Am Hallo. Der amtierende DHB-Pokalsieger Füchse Berlin gab sich die Ehre, Stars wie Silvio Heinevetter, Iker Romero, Konstantin Igropulo oder Jesper Nielsen sorgten für internationales Flair. Diese Zeiten sind in Essen leider vorbei. Für den TuSEM, der beim 21:29 erwartungsgemäß chancenlos waren, geht es ab sofort nur noch um den Klassenerhalt in der Zweiten Liga.

Dreimal Deutscher Meister, dreimal DHB-Pokalsieger, dazu der Triumph im Europapokal der Pokalsieger. Der Turn- und Sportverein Essen-Margarethenhöhe, kurz TuSEM, zählte in den 1980er und 1990er Jahren zu den renommiertesten Handballclubs in Europa. 2005 sorgten die Rot-Weißen ein letztes Mal für Furore, gewannen nach einer unglaublichen Aufholjagd im Rückspiel gegen den SC Magdeburg den EHF-Pokal – und verabschiedeten sich in die Insolvenz. 2009 das gleiche böse Spiel. Wieder hatten sich die Essener finanziell übernommen, wieder folgte der Zwangsabstieg. Zwar berappelte sich der Verein auch diesmal, schaffte 2012 sogar die Rückkehr in die Bundesliga, war mit seinen bescheidenen Mitteln im Konzert der Großen allerdings nicht konkurrenzfähig und stieg sofort wieder ab.

Die Gegenwart heißt nun Zweite Bundesliga, doch auch das ist wahrlich kein Zuckerschlecken. Das erste Viertel der Saison ist vorüber, und die Essener schweben mit nur zwei Siegen aus neun Spielen als Drittletzter in Abstiegsgefahr. Die Gründe liegen auf der Hand. Wieder einmal steht der Traditionsclub vor einem Neuaufbau, nachdem im Sommer die Leistungsträger Niclas Pieczkowski (TuS Nettelstedt), Julius Kühn (VfL Gummersbach), André Kropp (TV Emsdetten) und Philipp Pöter (DHFK Leipzig) gegangen waren. Ein erneuter Einschnitt, der aber von Trainer Mark Dragunski mitgetragen wird. „Die Grundlage für eine erfolgreiche Zukunft ist gelegt. Unsere Jungs kommen alle aus der Region, sind mit dem Club verwurzelt“, sagt der 2,14 Meter große Ex-Nationalspieler. An der Seite der Routiniers Paul Trodler und Michael Hegemann sollen die Talente reifen.

Dazu ist allerdings eine Menge Geduld erforderlich, wie die Anfangsphase der neuen Saison gezeigt hat. Der TuSEM hielt zwar meistens gut mit, stand am Ende aber häufig mit leeren Händen da. Wie bei der 21:23-Niederlage bei der DJK Rimpar, als sich die Essener selbst um den verdienten Lohn brachten. „Wir lassen die Big Points liegen“, klagt Mark Dragunski.

Nach dem Pokal-Highlight gegen Berlin ist nun wieder Zweitliga-Alltag, doch der Trainer hofft, dass seine Mannschaft im Duell mit dem übermächtigen Gegner etwas gelernt hat. Denn auch gegen die Füchse zeigten die TuSEM-Spieler phasenweise, dass sie richtig gut Handball spielen können.

Michael Köster

Bild: © TuSEM Essen

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