ESPO befürchtet weitere Inanspruchnahmen von Turn- und Sporthallen in Essen

Unterbringung von Flüchtlingen in Turnhallen/Sporthallen

Seit Oktober vergangenen Jahres sind zur Unterbringung von Flüchtlingen Sporthallen genutzt worden. Die dadurch herbeigeführte Situation war für unsere Sportvereine, insbesondere für den TV Kupferdreh, eine schwierige Zeit. Ca. 800 Sportlerinnen und Sportler des TV Kupferdreh mussten in dieser Zeit auf andere „Sporträume“ ausweichen oder ganz auf Sport verzichten. In seiner Not hat der TVK unter anderem auf Räume in Gaststätten zurückgegriffen, um den Vereinssportlern überhaupt etwas anbieten zu können. In diesen 5 Monaten hat der Verein über 200 Vereinsmitglieder verloren. Andere Vereine haben in ihrer Not ebenso agiert und waren ebenfalls mehr oder weniger von Vereinsaustritten betroffen. Erst im Februar d. J. wurde die letzte Sporthalle freigezogen.

Kaum sind die Sporthallen seit Ende Februar wieder frei, ereilen uns kurz danach zahlreiche Anrufe besorgter Vereinsvertreter. Sie berichten mit Sorge, dass Vertreter städtischer Ämter Sporthallen besichtigen und diese auf Eignung zur Unterbringung von Flüchtlingen überprüfen. Nicht nur die Vereinsvertreter und wir haben die Befürchtung, dass die Stadt erneut auf Turnhallen zur Unterbringung von Flüchtlingen zurückgreifen will; auch Herr Maibaum von der NRZ deutet in seiner Kommentierung in der Ausgabe der NRZ vom 27.2.2016 diese Richtung an. Ebenso mit Sorge betrachten wir, dass solch eine Forderung auch vereinzelt von politischen Vertretern geäußert wird. Herr Bayer, Karnaper Ratsherr der EBB, forderte erstmalig am 22.2.2016 (Berichterstattung in der WAZ) Flüchtlinge wie andernorts auch in Essen in Turnhallen unterzubringen. Diese Forderung hat er am 24.2.2016 in der Ratssitzung (TOP 9-11 in der Mediathek) bekräftigt.

Wir als Sportvertreter sind sehr erstaunt darüber, dass eine derartige Forderung von einem ehemaligen Schul- und Sportdezernenten dieser Stadt erhoben wird. Weiter sei angemerkt, dass Herr Bayer vor seiner Zeit als Dezernent dieser Stadt auch Rektor eines Gymnasiums war. Auch wenn er sich als Karnaper Ratsherr mit dieser Forderung offenkundig nicht als Unterstützer des Sports einsetzt, müsste er als Pädagoge doch sehr wohl wissen, welche Auswirkungen fehlende Sporträume für Schülerinnen und Schüler haben. Sport- und Turnhallen werden bis in die Nachmittagsstunden hinein von Schulen genutzt. Erst danach stehen sie für den Vereinssport zur Verfügung. Uns ist auch nicht klar, ob Herr Bayer, wenn er die Inanspruchnahme von Turnhallen fordert, differenziert zwischen Einfach- und Dreifachturnhallen. Während in Essen, im Gegensatz zu anderen Städten, nur Dreifachturnhallen (Sporthallen) zur Unterbringung von Flüchtlingen genutzt werden, bedienen sich andere Städte (soweit sie auf Sporträume zurückgreifen) auch kleinerer Turnhallen. Insofern gehen wir davon aus, dass Herr Bayer die Unterbringung in Sporthallen meint. Überdies erweckt Herr Bayer mit seiner Aussage den Eindruck, dass es in anderen Städten durchaus gängige Praxis sei, auf Turn-/Sporthallen zurückzugreifen. Unsere Recherchen ergeben ein ganz anderes Bild.

Ein Großteil der Städte in NRW vermeidet es, Sporträume zur Unterbringung von Flüchtlingen zu nehmen. Die Städte, die in absoluten Notsituationen zur Unterbringung von Flüchtlingen auf Sporträume zurückgreifen, nehmen hiervon wieder größtenteils Abstand. Aber keine Stadt in NRW hat bisher in großem Umfang – wie in Essen evtl. beabsichtigt – auf die Inanspruchnahme von Sporthallen zurückgegriffen. Gerade diese trifft unsere Sportvereine besonders hart, weil hierdurch der Spiel- und Wettkampfbetrieb eingeschränkt oder sogar zum Erliegen kommt (das haben wir in unseren Stellungnahmen bereits ausgiebig erörtert).

Vor dem Hintergrund der neueren Besichtigung der Sporthallen durch städtische Mitarbeiter haben wir bereits den Oberbürgermeister angeschrieben und auf die Auswirkungen für den Essener Sport hingewiesen. Darüber hinaus haben wir mehrere Gespräche mit Vertretern verschiedener Ratsfraktionen geführt.

Der ESPO ist der Meinung, dass die Inanspruchnahme aller bzw. eines großen Teils von Sporthallen zur Unterbringung von Flüchtlingen den Essener Vereinssport zum Erliegen bringen wird. Das können und wollen wir als Interessensvertreter nicht akzeptieren und setzen daher derzeit auf weitere Verhandlungen mit der Verwaltung und der Politik, um dieses Szenario zu vermeiden.

 

Weiterführende Informationen zu dem Beitrag:

Kommentierung in der Ausgabe der NRZ vom 27.2.2016

22.2.2016 (Berichterstattung in der WAZ)

Ratssitzung vom 24.2.2016 (TOP 9-11 in der Mediathek)

Anschreiben an den Oberbürgermeister

 

Weitere Informationen zu diesem Thema:

Stadt Essen bringt Flüchtlinge in 3 Turnhallen unter

Unterbringung von Flüchtlingen in Sporthallen

Neue Hallenzeiten des TVK 1877 veröffentlicht

 

2 Kommentare zu “ESPO befürchtet weitere Inanspruchnahmen von Turn- und Sporthallen in Essen”

  1. Jürgen Sommer Antworten

    ich bin sicher , es gibt noch viele leerstehende Gebäude wo das Wohnen angenehmer ist als in einer Turnhalle. Hiermit ist ja nicht einmal den gestressten Flüchtlingen geholfen, sondern schürt auch den Unmut der Gesellschaft auf die, die gar nichts dafür können, dass man sie hier unterbringen will.
    Sport beinhaltet auch soziales Miteinander, was auseinander gerissen wird.
    Die Vereine müssen die Beiträge erhöhen um die Kündigungen aufzufangen.
    Man könnte doch für eine begrenzte Zeit die Jugendherbergen freigeben, da muß dann auch nichts umgebaut werden.

    Gruß Jürgen Sommer

  2. Alexander Anders Antworten

    Der Essener Norden aus dem ich komme ist zwar schon mit über 28% Anteil an nicht deutschen Mitbürgern sehr gebeutelt, dennoch kann ich nicht verstehen warum man z.B. das alte KUTTEL Gelände (Palmbuschweg) nicht nutzt. Dort müssten alle erforderlichen Anschlüße (Strom, Wasser, Abwasser) und Sozialräume (Toiletten/Duschen,…) vorhanden sein. Ebenso ist an der Gladbeckerstr. vor der Auffahrt zur A42 ein riesiges Freigelände das bis zum Hafengebiet geht. Auch hier wird kein Zelt (-dorf) aufgestellt. Aber die Turnhallen sollen wieder zur Debatte stehen! Das gerade die Sportvereine Integration „leben“ und besonders Jugendlichen ein friedliches Miteinander und Füreinander dort erleben wird in keinster Weise gewürdigt! Ein Sportverein ist eines der wenigen Dinge die unsere Jugend eine Alternative zum Internet/Smartphone/Facebook/Twitter,….bietet.
    Grüße aus dem Essener Norden

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *