Freibad Dellwig erstrahlt in neuem Glanz

Die Zahl der Skeptiker war groß, als vor Jahren im Zuge des „Bäderkompromisses“ die Verkleinerung der Wasserfläche im Freibad Dellwig beschlossen wurde. Und so mancher befürchtete schon den schleichenden Tod des einzigen noch existierenden Essener Freibades nördlich der A 40, als die Freibadsaison 2013 nach PCB-Funden komplett ins Wasser fiel. Nun erstrahlt „Hesse“ jedoch in neuem Glanz, und die Kritiker sind weitgehend verstummt. Stattdessen gibt es Lob von allen Seiten für ein gelungenes Facelifting bei der „alten Dame“.

Nachdem „Hesse“ jahrelang eher ein Spielball auf der politischen Bühne war, scheint die 1927 am Ufer des Rhein-Herne-Kanals eröffnete und von RuWa Dellwig in Eigenregie betriebene Freizeitoase nun wieder ihrer originären Funktion zugeführt worden zu sein. Für 2,5 Millionen Euro wurde das Traditionsbad behindertengerecht saniert, und die ersten Besucher äußern sich durchweg positiv. Dass die Gesamtwasserfläche von einstmals 3140 Quadratmetern auf nunmehr 1262 Quadratmeter reduziert wurde, dass die ehemaligen 50-Meter-Bahnen im Schwimmerbecken nun nur noch halb so lang sind, stört offenbar kaum. Stattdessen gibt es nun eine großzügige Liegefläche für Sonnenanbeter, eine neue Rutsche sowie einen Spielplatz mit frischem Sand am Bootshaus für die Kinder.

Bei aller Modernisierung versprüht „Hesse“ jedoch weiterhin den Charme der 1960er oder 1970er Jahre, als das Bad an heißen Sommertagen schwarz vor Menschen war und sich am Sprungturm lange Schlangen bildeten. Das Stahlgerüst blieb auch nach dem Umbau erhalten. Es ist und bleibt das Wahrzeichen des Dellwiger Freibades und zugleich Erinnerungsstück an das Industriezeitalter am Kanal. „Offiziell heißt es Kernsanierung, aber im Grunde ist es ein Neubau“, sagt Betriebsleiter Sven Prochnow, der „sein“ neues Bad auf Anhieb lieb gewonnen hat: „Technisch gesehen war das hier eine Kutsche, jetzt ist es ein Raumschiff.“

Michael Köster

Bild: © Klaus-Peter Prengel

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