Inklusion mit System – wie Sport Demenzkranken helfen kann

Laut Statistischem Bundesamt sind 1,5 Millionen Menschen an Demenz erkrankt. Bis zum Jahre 2050 soll sich die Zahl voraussichtlich verdoppeln. Um Menschen mit dieser Erkrankung zur helfen, gibt es mehrere Initiativen auf lokaler Ebene, die durch Struktur und Bewegung den Alltag der Patienten erleichtern wollen.

Im dreijährigen Modellprojekt „Sport für Menschen mit Demenz“, sollen bis 2016 in Nordrhein-Westfalen etwa vierzig neue Bewegungsangebote für Demenzkranke erarbeitet, erprobt und etabliert werden. Diese Idee wurde vom Landessportbund NRW und dem Behinderten-Sportverband NRW ins Leben gerufen. In den meisten Fällen ist Demenz nicht heilbar und geht hauptsächlich mit Vergesslichkeit einher. Um den Menschen trotzdem eine Stütze zu bieten, sollen Alltagsstruktur, regelmäßige Bewegung und eine emotionale Bindung zur Gruppe und den Übungsleitern, den Erkrankten helfen, ein erfülltes Leben zu führen. Studien zufolge ist Bewegung als Schutzfaktor bis ins hohe Alter zu sehen, der hilft Körper und Geist fitzuhalten.

Entscheidend für die Sportangebote, ist die Nähe zum Wohnort. Die Demenzpatienten kennen ihre Umgebung und es fällt ihnen leichter, als sich in „fremdem“ Gebiet zu orientieren. Hierzu arbeitet man eng mit Kooperationspartnern der Landesinitiative Demenz-Service und der Freien Wohlfahrt zusammen. Dirk Engelhard, Gruppenleiter des Programms, betont: „Dieser Prozess der Netzwerkbildung und des Erfahrungsaustausches zwischen engagierten Vertretern innerhalb und außerhalb des organisierten Sports muss landesweit systematisiert, intensiviert und weiter ausgebaut werden. Dieses Projekt ist ein wichtiger Schritt, Menschen mit Demenz am gesellschaftlichen Leben teilhaben zu lassen“.

Auch Peter Wehr von der TVG Holsterhausen in Essen entwickelte 2011 ein Konzept zur Integration von älteren Menschen. Heute ist daraus die Tagesbetreuung von Demenzerkrankten im Frühstadium entstanden. Die zwei Kernbereiche der Betreuung sind Gedächtnistraining und Erinnerungsarbeit. In der Regel sind die Gruppen klein, um die sich drei Betreuer kümmern. Mit Aktionen wie Rätselraten, Pantomime und Singen wird der Vormittag aufgelockert. Nachmittags gibt es Bewegungstraining, Spaziergänge an der frischen Luft und anregende Gesprächsrunden. Wehr liegt auch das Grundkonzept eines Vereins, das Freiwilligenengagement sehr am Herzen. Er kombinierte die Idee der Betreuung, mit der Möglichkeit eines einjährigen Sozialpraktikums für Zehntklässler an Schulen. Somit entstand eine Verbindung zwischen jungen und alten Menschen, in einer wohligen Atmosphäre. „Hier fühlt man sich wie zu Hause“, erzählt ein Teilnehmer, „Die Menschen sind sehr herzlich und vertraut – obwohl wir uns noch gar nicht lange kennen“. Die Betreuung wird seit Oktober 2013 angeboten. Die Kosten von 14 Euro pro Stunde können teilweise oder auch komplett im Rahmen der Pflegestufe 0 als niederschwelliges Hilfe- und Betreuungsangebot erstattet werden. Mit dem Angebot wollen die Betreuer vor allem die Angehörigen entlasten, für die die Demenzerkrankung eines Verwandten meist anstrengender und schwieriger ist, als für den Erkrankten selbst. Bis zum Jahresende soll die Tagesbetreuung ausgeweitet und täglich von 9.00 bis 15.00 Uhr angeboten werden.

Annina Blum

Quelle: LSB NRW

Bild: © Bilddatenbank LSB NRW I Bowinkelmann

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