Sport und Integration

In der heutigen Gesellschaft spielt die Integration von Menschen mit und ohne Zuwanderungsgeschichte eine fundamentale Rolle. Integration bedeutet eine gleichberechtigte Teilhabe von Migranten/innen am gesellschaftlichen Leben.
In dem Programm „Integration durch Sport“, welches vom Deutschen Olympischen Sportbund entwickelt wurde, werden Zuwanderer als eine Bereicherung der deutschen Sportlandschaft wahrgenommen. So werden Vielfalt und Besonderheiten unterschiedlicher Kulturen nicht als Gegensatz sondern als Ergänzung und Gewinn für Alle betrachtet. Durch den Dialog und die Interaktion zwischen Menschen mit und ohne Zuwanderungsgeschichte kann die Integrationsarbeit gelingen.
Verschiedene Programme und Projekte unterstützen und fördern daher den Dialog zwischen Migranten/-innen und der einheimischen Bevölkerung sowohl innerhalb von Sportgruppen, Vereinen und dem vereinsorganisierten Sport als auch in kommunalen und überregionalen Netzwerken. Die Integrationspotentiale des (vereinsorganisierten) Sports sollen dabei durch gezielte Maßnahmen angeregt und gefördert werden.
So haben Mithilfe von geplanten Sport- und Bewegungsangeboten Vereine in Essen unter anderem das Ziel, Flüchtlinge durch die Sportarbeit in ihr Vereinsleben zu integrieren.

Fußball

Fußball ist ein Sport, den man nahezu überall auf der Welt findet, dessen Regelwerk bekannt ist und der einen hohen Zuspruch in allen Bevölkerungsgruppen findet. So beteiligen sich auch zahlreiche Essener Fußballvereine an der Integrationsarbeit.
Der FC Stoppenberg sammelte beispielsweise Spenden, um Fußballschuhe, Trainingsbekleidung und Bälle für Flüchtlinge zu finanzieren. Für sein Engagement, Flüchtlinge in die Mannschaften einzubauen, wurde der FC Stoppenberg mit dem Solidaritätspreis der Freddy-Fischer-Stiftung ausgezeichnet (NRZ vom 18.05.2015).
Der ETB Schwarz-Weiß hat eine Fußballschule für Nachwuchskicker organisiert. Unter den Nachwuchskickern befanden sich 16 Kinder aus dem Flüchtlingsheim in der Sartoriusstraße. In dem dreitägigen Fußballcamp standen nicht nur Technik und Taktik im Vordergrund sondern hauptsächlich der Spaß. Auch Kult-Trainer Peter Neururer, der bei der Aktion mithalf, bestätigte: „Der Fußball kann Mauern einreißen und Brücken bauen, was gerade gebraucht wird“ (WAZ vom 15.10.15). Durch den erlebten Erfolg soll die Fußballschule nun immer in den Ferien stattfinden. Zudem gründete der ETB Schwarz-Weiß eine eigene Mannschaft für Flüchtlinge: „ETB Welcome United“. Die Flüchtlinge haben einmal pro Woche die Möglichkeit auf dem Fußballplatz zu trainieren.
Beim ESC Rellinghausen 06 werden junge Männer aus Syrien, Eritrea und aus anderen Krisengebieten in den Spielbetrieb integriert. Mit den Männern zwischen 20 und 30 Jahren wird zwei Mal pro Woche trainiert. Einige Spieler haben es darüber hinaus geschafft, die dritte Mannschaft im normalen Spielbetrieb zu unterstützen (WAZ vom 19.05.15).
An einem besonderen Pfingstturnier hat derweil der FSV Kettwig teilgenommen. Die Kettwiger B-Junioren hatten eine Fußballmannschaft aus unbegleiteten jugendlichen Flüchtlingen zu Gast. Das Freundschaftsspiel gegen die Jugendlichen aus Gambia, Syrien, Afghanistan und Iran war zwar aus sportlicher Sicht mit einer 2:5 Niederlage kein großer Erfolg, allerdings begeisterte der warmherzige Empfang und die Stimmung auf dem Fußballplatz, sodass bereits ein Rückspiel vereinbart wurde (WAZ vom 18.05.16).
Ebenfalls engagieren sich Vereine wie der SF 1918 Altenessen (WAZ vom 14.10.15) und der FC Karnap (NRZ vom 14.01.16) in der Integrationsarbeit. In diesen Vereinen sind Flüchtlinge zum gemeinsamen Training eingeladen.

Cricket

Eine eher ungewöhnliche Sportart wird mit den Flüchtlingen bei der DJK Altendorf 09 gespielt: Cricket. Seit 2016 gibt es die A09-Abteilung Cricket und die Mitgliederzahlen boomen. Unter dem Motto des Cricket-Verbandes „Cricket – wo Schläger Gentlemen sind“ gehören mittlerweile 100 Mitglieder dem Verein an. Zwei Teams, die Blue Tigers und die Mavericks, nehmen am Spielbetrieb teil. In der Hüttmann-Halle trainieren junge Männer aus Sri Lanka, Bangladesch, Pakistan, Afghanistan und Indien. Es fehlt nur noch ein Platz, an dem die Heimspiele ausgetragen werden können. Dies geschieht derzeit in Düsseldorf.
Unterdessen schreiben selbst internationale Medien über das Cricket Wunder von Altendorf und das erfolgreiche Gelingen der Integrationsarbeit (WAZ vom 21.09.16).

Handball

Daneben werden auch im Handball Flüchtlinge in den Sportbetrieb integriert. Bei der Handball-Spiel-Gemeinschaft (HSG) Hallo trainieren derzeit zwölf junge Männer mit dem Handball, die meisten von ihnen aus Afghanistan. Das Training findet wöchentlich statt. Damit die Flüchtlinge zur Trainingsstätte kommen können, wurden mit Hilfe von Sponsoren Bahntickets gekauft. Außerdem ist bei jeder Trainingseinheit ein Deutscher mit afghanischen Wurzeln dabei, der als Übersetzer fungiert (WAZ vom 04.11.16).

Radsport

Der Radsportverein Sturmvogel veranstaltete im letzten Jahr einen Schnupper-Parcours zum Thema Radfahren für Flüchtlingskinder. Diese Idee entstand zum einen durch die Nähe zu zwei Flüchtlingsheimen und zum anderen durch den Gedanken, dass das Radfahren etwas ganz Alltägliches sei, mit dem viele Flüchtlinge vertraut seien. Aus diesem Grund wurde ein Parcours aufgebaut, zu dem viele Flüchtlinge eingeladen wurden. Es ergab sich zum einen der Kontakt zwischen den Flüchtlingskindern und den Vereinskindern, die sich gegenseitig halfen und zum anderen ergab sich für die Eltern der Flüchtlingskinder eine gute Gelegenheit mit den Eltern der Vereinskinder in Kontakt zu kommen. So konnten positive Erfahrungen geteilt werden (NRZ vom 24.08.15).

Schwimmen

Auch in dem Essener Schwimmverein SG Essen werden momentan positive Erfahrungen hinsichtlich der Arbeit mit Flüchtlingen gemacht. So trainiert derzeit Rami Knaan bei der SG, der als Flüchtling nach Deutschland kam, in seinem Heimatland Syrien allerdings für die Nationalmannschaft schwamm. Der junge Syrer hat nicht nur die Möglichkeit bei der SG Essen im Schwimmzentrum Rüttenscheid zu trainieren sondern wird auch von Vereinsmitgliedern bei Amtsgängen in Deutschland unterstützt, damit sein in Syrien erworbener Bachelor in Deutschland anerkannt wird.
Zudem wird Knaan bei der SG Essen eine berufliche Perspektive geboten. Als bald zweisprachiger Athlet soll er anderen Flüchtlingen das Schwimmen beibringen. Mithilfe einer Förderstelle bei der SG kann er schon bald mit seiner Begabung Geld verdienen (WAZ vom 14.06.16).
Vor dem Hintergrund, dass eine hohe Anzahl an geflüchteten Kindern und Jugendlichen, die nach Deutschland kommen, nicht schwimmen kann, hat der Essener Sportbund e.V. in Zusammenarbeit mit dem Kommunalen Integrationszentrum zudem unbegleitete minderjährige Flüchtlinge in den Fokus des Projekts „Sportlich fit für den Lebensalltag – Angebote für Flüchtlinge“ gerückt. Die Angebote des Essener Sportbunds e.V. und seiner Mitgliedsvereine beinhalten demnach spezielle Schwimmangebote, die sich primär an geflüchtete Kinder und Jugendliche richten. Neben diesen speziellen Angeboten für geflüchtete Kinder und Jugendliche werden außerdem integrative Angebote gefördert, bei denen die Einbindung in das Vereinsleben im Vordergrund steht.
Darüber hinaus besteht eine Kooperation zwischen dem Essener Sportbund e.V. und den Schwimmvereinen Essen 06 und der SG Essen, wodurch geflüchtete Kinder und Jugendliche in die Schwimmvereine integriert und in den Sportbetrieb eingebunden werden sollen.

Tennis

Der Essener Tennisverein TC Am Volkswald bietet regelmäßig Tennisunterricht für die Bewohner des benachbarten Zeltdorfes an. Dadurch wird den Flüchtlingen ermöglicht, in die Sportart hinein zu schnuppern. Der Tennisunterricht wird sowohl für Erwachsene als auch für Jugendliche und Kinder angeboten. Niemand wird ausgegrenzt, denn so kann unter Nachbarn „ganz unaufgeregt“ geholfen werden. „So einfach ist das“ (WAZ vom 17.12.15).

Spendenaktionen

Zusammenfassend sind Flüchtlinge in den Essener Sportvereinen nicht nur auf den Sportplätzen zahlreich unterstützt worden. Mithilfe einer dreiwöchigen Aktion des TC RAWA Haarzopf konnten zusätzlich Spenden für Flüchtlinge gesammelt werden (WAZ vom 10.11.15). Die Sammelaktion beinhaltete warme Kleidung für die bevorstehenden Wintertage, Spiele und Spielsachen für zahlreiche Flüchtlingskinder. Auch Tura 86 rückte mit einem ganzen Lastwagen voller Spenden an (WAZ vom 25.08.15).

Alles in allem zeigen viele Essener Sportvereine ein großes Engagement Flüchtlinge in ihre Sportarbeit zu integrieren und ihnen die Möglichkeit zu geben, am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen. Diese Sportvereine haben eine große Vorbildfunktion für andere Vereine und zeigen, wie eine erfolgreiche Integrationsarbeit gelingen kann.