Leitbild

Der Essener Sportbund e.V. stellt diese Position als Leitlinienkatalog für sein inhaltliches, strukturelles und sportliches Handeln auf, um den Schritt in das nächste Jahrzehnt fortschrittlich und berechenbar zugleich gehen zu können.

1 Selbstverständnis

Der Essener Sportbund ist der Dachverband der gemeinnützigen Sportvereine auf kommunaler Ebene. Er berät und fördert seine Mitglieder und vertritt deren Interessen insbesondere gegenüber Politik, Verwaltung und Wirtschaft.

In seiner Moderatorenfunktion fördert der ESPO Beziehungen zu Partnern, die ebenfalls an verbesserten sportlichen Rahmenbedingungen interessiert sind und den Sport materiell, personell oder ideell unterstützen können.

Der ESPO wird alle gesellschaftlichen Felder beobachten und sportrelevante Veränderungen und Entwicklungen aufzeigen. Seine Mitglieder wird er zu angemessenem Handeln anregen, damit der organisierte Sport weiterhin Anbieter Nr.1 ist und bleibt.

Gleichzeitig will er selbst aktiv gestalten und Impulsgeber für Innovationen sein. Er wird im Rahmen von Aus-, Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen, bei Modellprojekten sowie bei Maßnahmen, die die Möglichkeiten eines Vereins oder Fachverbandes übersteigen, sportpraktisch aktiv.

2 Sportvielfalt

Leistungssport / Hochleistungssport

Der Essener Sportbund versteht sich als Initiator und Moderator von Aktivitäten, die den Leistungs- und Hochleistungssport unterstützen und ausbauen. Er greift jedoch nicht in die Belange der Fachverbände ein.

In seiner Moderatorenfunktion stellt der ESPO Beziehungen zu interessierten Partnern her.

Der ESPO unterstützt die Maßnahmen zur Talentsuche und -förderung und setzt sich für eine Optimierung der Trainingsbedingungen ein. Diese sieht er etwa in der Einrichtung von Voll- und Teilzeitinternaten und Sportschulen für Kinder und Jugendliche. Eine Chance zur Verbesserung der Trainingsbedingungen und der schulischen Belange der Aktiven sieht der ESPO auch in engen Kooperationen mit Nachbarstädten und regionalen Zusammenschlüssen.

Im Amateurbereich ist Hochleistungssport nur dann verantwortbar zu befürworten, wenn es gelingt, die berufliche Existenz des Sportlers abzusichern, und zwar so, dass sich daraus auch eine Perspektive entwickeln lässt. An dieser Aufgabe haben alle gesellschaftlichen Bereiche mitzuwirken.

Breitensport

Der Essener Sportbund fördert den Breitensport in all seinen Varianten. Er entwickelt neue Ideen und initiiert die Durchführung von Modellmaßnahmen.

Der ESPO unterstützt den wettkampforientierten Breitensport durch die Schaffung von entsprechenden Voraussetzungen (wie Ligasystem) in enger Zusammenarbeit mit den jeweiligen Fachverbänden.

Ebenso unterstützt er alle Bemühungen der Vereine und Fachverbände, ihre Sportart zu pflegen, zeitgerecht zu gestalten und die Voraussetzungen für eine Weiterverbreitung der jeweiligen sportlichen Fertigkeiten zu schaffen. Dabei weist er beständig darauf hin, dass über die unmittelbare Förderung der körperlichen Leistungsfähigkeit hinaus die seelischen, geistigen und sozialen Zusammenhänge nicht außer Acht gelassen werden. Die Kompetenz für Gemeinschaft und Geselligkeit darf den Vereinen nicht abhanden kommen!

Er unterstützt und vertritt auch diejenigen, die ihrer sportlichen Betätigung nachgehen, ohne dabei sportliche Vergleiche anzustreben.

Freizeitsport

Unter Freizeitsport sollen alle spontanen Sportbetätigungen verstanden werden, die einzeln, in Verabredung mit anderen oder im Vereinszusammenhang durchgeführt werden. Dabei ist es unerheblich, ob das auf normierten Sportanlagen geschieht.

Unter dem Motto „Sport für alle“ trägt oder initiiert und fördert der Essener Sportbund seit Jahren freizeitsportliche Aktivitäten vielfältigster Art. Die Rahmenbedingungen zu schaffen oder zu erhalten, die die Voraussetzungen für derartige Angebote sind, muss der Essener Sportbund Politik und Verwaltung abverlangen.

Der ESPO unterstützt und fördert Maßnahmen, die eine vielfältige sportliche Bewegung im öffentlichen Raum ermöglichen. Insofern tritt er als Anwalt für Bewegung auf und fordert, bei allen Bauprojekten Bewegungseinrichtungen bindend vorzuschreiben. Bestehende öffentliche Gebäude sind auf ihre Bewegungstauglichkeit zu überprüfen.

Gesundheitssport

Der Essener Sportbund hält den Ausbau des Gesundheitssports in all seinen prophylaktischen und rehabilitativen Komponenten für eine der wichtigsten sport- und gesundheitspolitischen Aufgaben der nächsten Jahrzehnte. Deshalb fördert der ESPO den Ausbau gesundheitsorientierter Angebote in den Vereinen sowie speziell in den stadtteil- und quartiernahen Sport- und Gesundheitszentren. Im Bereich des Gesundheitssports bietet sich der ESPO mit seinen Mitgliedsvereinen den Krankenversicherungen als leistungsstarker Kooperationspartner an.

Der ESPO und seine Mitgliedsvereine streben eine Zusammenarbeit mit Betrieben an, um den Unternehmen gesundheitsorientierte Bewegungsprogramme zum Ausgleich für schädliche Arbeitsplatzbedingungen anzubieten.

Fitness-Sport

Fit ist, wer den Anforderungen des Lebens und der Gesellschaft physisch, psychisch und sozial entsprechen kann. Fitness-Sport versucht daher, durch Training eine ständige Balance zwischen koordinativen und konditionellen Fähigkeiten herzustellen, ohne dass spezielle Fertigkeiten einer Sportart erlangt werden müssen.

Der Essener Sportbund initiiert und fördert die Vielfalt der Fitnessangebote, indem er geeignete Räumlichkeiten schafft, sich darüber hinaus einsetzt für ein urbanes Umfeld zur psychischen und sozialen Gesundheit.

Trendsport

Trendsport bezeichnet Sportarten, die in der Regel über einen Marketing-Mix der Sportartikelindustrie schnell in einen Markt eingeführt werden (Streetball, Climbing, Skaten, Walken etc.) und meist nicht sehr langlebig sind.

Der Essener Sportbund setzt sich nachhaltig für die Erschließung dieser Sportnachfrage ein, ohne jedoch kommerzielle Interessen zu verfolgen. Er sieht es für notwendig an, für diese Sportarten Sporteinrichtungen und -gelegenheiten zur Verfügung zu stellen, in denen entsprechend der Schnelllebigkeit der Moden variable Sportgeräte zur Verfügung stehen.

3 Sport und Stadtentwicklung

Obwohl in den 60er, 70er und 80er Jahren viele Sporteinrichtungen entstanden sind, ist der Flächenanteil für spontanes, vielseitiges Bewegen – besonders für Kinder – im öffentlichen Raum eklatant geschrumpft. Damit einhergehend ist die innere Bereitschaft zum aktiven Bewegungsspiel bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen im öffentlichen Straßenraum gesunken. Einer der größten Hemmschuhe für körperlich vielseitige Bewegung ist, dass dem automobilen Verkehr noch immer der Vorzug vor allen anderen Verkehrssystemen gegeben wird.

Der Essener Sportbund fordert die konsequente Berücksichtigung körperlich vielfältiger, sportlicher Bewegungsformen bei allen Planungsprozessen und Projektrealisierungen innerhalb der Stadtentwicklung. Dabei ist es unerheblich, ob es sich um die Entwicklung von Gewerbeflächen, öffentlichen Plätzen, Grünanlagen oder Wohnbebauung handelt. Im Sinne einer sportgerechten Stadt sind hierzu alle Möglichkeiten auszuschöpfen. Planungen sind auf ihre Kompatibilität und Verträglichkeit hin zu überprüfen und dürfen dem Sport nicht den angestammten Lebensraum entziehen. Vielmehr ist darauf zu achten, dass Sport und Bewegung Bestandteil einer urbanen Planung sind.

4 Sport und Sportstätten
Ein verändertes Sportverhalten im Bereich „Sport und Freizeit“ stellen den Sportstättenbau vor neue Herausforderungen. Der Anteil des leistungsbezogenen Wettkampfsports ist geringer geworden. Die zunehmende Bedeutung von Sport-Spiel-Bewegung für die gesundheitliche Entwicklung innerhalb unserer Gesellschaft erzeugt einen veränderten und zusätzlichen Bedarf an Sportstätten und Bewegungsräumen außerhalb von normierten Sporteinrichtungen. Eine moderne Sportentwicklung muss sich dieser Situation anpassen. Dabei verkennt der organisierte Sport nicht, dass finanzielle Mittel und geeignete Flächen hierzu begrenzt sind.

Eine Aufgabe, die nur mit gebündelten Maßnahmen zukunftsweisend gestaltet werden kann. Hierzu ist notwendig:

  • vorhandene, nicht ausgelastete städtische Räume multifunktional, also auch sportlich zu nutzen
  • Überlegungen zu Mehrfachnutzungen von Räumen und öffentlichen Einrichtungen
  • genormte Sportanlagen durch Um- und Ausbau dem familienorientierten Freizeitsport zu öffnen
  • Parks und Spielstraßen mit einzubeziehen
  • Auslastungsverbesserung aller vorhandenen Sportstätten durch Belegungskriterien für Freisportflächen und gedeckte Sportanlagen
  • freizeitorientierter Ausbau, insbesondere bei Erneuerungs- und Sanierungsmaßnahmen
  • Schaffung einer guten Erreichbarkeit und vor allem offene Zugänglichkeit aller Spiel- und Sportanlagen.

Dort, wo die Kommune Veräußerungen von Sportstättenimmobilien anstrebt, versucht der Essener Sportbund durch neue Nutzungskonzepte diese dem organisierten Sport zu erhalten. Dabei wird die Minimierung der betriebswirtschaftlichen Kostenlast angestrebt. Dort, wo es nicht mehr sinnvoll erscheint oder nicht mehr vertretbar ist, weil die Sportanlagen überaltert oder überkommen sind, muss geprüft werden, ob eine Aufgabe zugunsten des Erhalts anderer Sportanlagen nicht sinnvoller ist.

Zur Aufrechterhaltung des Kinder- und Jugendsports fordert der ESPO jedoch nachdrücklich die kostengünstige Überlassung kommunaler Sportstätten ein, ohne hierfür ein betriebswirtschaftliches Risiko eingehen zu müssen.

5 Sport und Bäder
„Schwimmen gehen“ gehört auch heute noch zu einer beliebten sportlichen Betätigung. Die Funktionen der Badeanstalten als Orte zur körperlichen Hygiene haben weitgehend an Bedeutung verloren; ebenso verliert die Zweckbestimmung der Bäder als Orte des rein sportlichen und wettkampfbezogenen Schwimmens an Bedeutung.

„Schwimmen gehen“ bedeutet heute für viele, mehrere Aktivitäten miteinander verbinden zu können: Saunen, Sonnen, im Wasser spielen und toben und anderweitig sportlich aktiv sein, etwa im angegliederten Gymnastik- oder Kraftraum. Darüber hinaus haben die Bäder für den Sektor Gesundheitssport eine besondere Bedeutung. Aufgrund ihres Alters oder ihrer körperlichen Defizite ist vielen Sportinteressierten der Zugang zu sportlicher Betätigung nur im Wasser möglich.

In Essen hat man frühzeitig auf die veränderten Anforderungen reagiert und 7 der 9 Hallenbäder zu Sport- und Gesundheitszentren erweitert, die heute eine Nutzung weit über das reine „Schwimmen gehen“ ermöglichen.

So bieten diese Zentren neben dem Wettkampf- und freizeitorientierten Vereinssport, dem Schulsport, dem reinen Öffentlichkeitsschwimmen ebenso Raum für Gesundheits- und Rehasport im oder außerhalb des Wassers, Gymnastik und Fitness-Sport, Sauna, Wellness und für Geselligkeit und Feiern an.

Sie haben sich zu Sporteinrichtungen modernen Zuschnitts entwickelt und sind daher in der Lage, auch die Sportinteressierten anzusprechen, die zunächst abseits der Vereine ihrer sportlichen Betätigung nachgehen wollen.

Der Essener Sportbund setzt sich für den Erhalt, die kontinuierliche Instandsetzung und den weiteren Ausbau ein, da diese Sport- und Gesundheitszentren eine zentrale sportpolitische Bedeutung für die Stadtbezirke erlangt haben.

Darüber ist es notwendig, die Situation der Freibäder, deren Ausrichtung und Akzeptanz im Kontext der SGZ neu zu bewerten. Hierfür ist aus Sicht des ESPO ein umfassendes Bäderkonzept unerlässlich. Der Essener Sportbund wird sich bei der Erstellung eines Bäderkonzeptes beteiligen.

6 Sport und Betreibermodelle
Die formaljuristischen Instrumente für den eigenständigen Betrieb einer Sportstätte sind im organisierten Sport seit geraumer Zeit bekannt. So sind Trägerschaftsvereine, Vorschaltgesellschaften, Fördervereine, GmbH-Konstruktionen oder Pachtverhältnisse mit Dritten gelegentlich angewendete Rechtskonstruktionen, um im Sinne des Steuerrechts, der Interessenwahrung und einer optimalen Betriebsführung agieren zu können.

Der Essener Sportbund setzt sich nachhaltig für die eigenverantwortliche Nutzung von Sportstätten und Bädern durch die ihm angeschlossenen Vereine ein und fordert sie auf, sich rechtzeitig über gemeinsame Betreibermodelle Gedanken zu machen. Grundsätzlich ist der ESPO bereit, Vertragspartner gegenüber der Stadt, Mitglied oder Gesellschafter einer Betreibergesellschaft zu werden.

7 Sport und Ehrenamt
Für den Essener Sportbund ist die ehrenamtliche Mitarbeit seiner Mitglieder in den Vereinen unverzichtbar. Dem Sportverein als Zusammenschluss von Menschen aller Generationen, unterschiedlicher sozialer und kultureller Prägung, kommt eine bedeutende sozialintegrative Funktion zu. Die Ehrenamtlichen im Sport geben in den Vereinen ein Beispiel für die Bereitschaft und Fähigkeit, sich für andere einzusetzen. Sie leisten in Führungs-, Organisations- und Verwaltungsfunktionen ebenso wie bei Wartungs- und Betreuungsaufgaben ein Beispiel für solidarisches Handeln.

Allgemeine gesellschaftliche Tendenzen, Kommerzialisierung, bürokratische Entwicklungen innerhalb und außerhalb der Sportorganisationen, aber auch mangelndes Verständnis für die besonderen Bedingungen ehrenamtlicher Arbeit und Überforderung beeinträchtigen die Bereitschaft zu ehrenamtlicher Mitarbeit.

Der ESPO setzt sich dafür ein, dass seine Vereine stärker als bisher auf angestellte Kräfte zurückgreifen können und sich so das Engagement der ehrenamtlichen Mitarbeiter wirkungsvoll entfalten kann. Die Werbung neuer ehrenamtlicher Mitarbeiter und die Fortbildung bewährter Kräfte setzen genaue Informationen über das Tätigkeitsfeld und Kenntnis der entsprechenden Ausbildungsmöglichkeiten voraus.

Der ESPO bemüht sich, dass der gesellschaftliche Wert der freiwilligen Leistungen in der Öffentlichkeit nachhaltig bewusst gemacht wird. Er setzt sich die Ziele:

  • ehrenamtliche Vereinsführung als Prinzip zu erhalten und auszugestalten
  • bewährte Vereinsstrukturen durch frühe Ermutigung zur ehrenamtlichen Mitarbeit zu sichern
  • ehrenamtliche Mitarbeit verstärkt durch Aus-, Fort- und Weiterbildung sowie durchgängigen Informationsfluss zu fördern
  • hauptamtliche Kräfte in den Vereinen zur Entlastung der ehrenamtlichen Ebene einzustellen

Er tritt politisch dafür ein, dass eine Anrechnung der Ehrenamtszeit auf Versicherungsleistungen (im Invaliditätsfall und im Ruhestand) u. ä. gesetzlich geregelt werden.

Die ehrenamtlichen Leistungen für das Gemeinwesen müssen auch von der Kommune stärker anerkannt werden, auch in Zeiten defizitärer Haushaltslagen. Nur durch Einbeziehung des Ehrenamtes wird es möglich sein, weitere Hauhaltsentlastung zu erreichen. Im Gegenzug bedarf es kommunaler Unterstützung.

8 Sport und Bevölkerungsentwicklung

Die Einwohnerzahl in der Bundesrepublik sinkt. Eine anhaltend niedrige Geburtenrate und weiterhin steigende Lebenserwartung werden auch die Altersstruktur in Deutschland deutlich verändern. Der Anteil der jüngeren Menschen nimmt ab, der Anteil der älteren wächst.

Der sich ändernden Altersstruktur Rechnung zu tragen, sieht der Essener Sportbund als eine besonders wichtige Aufgabe an. Dazu wird er Konzepte entwickeln, innovative Angebote zur Integration der Generationen bereitstellen und gezielte Kommunikations- und Bewegungsangebote für Senioren vermitteln. Wanderungen durch offene europäische Binnengrenzen und sonstige Zuwanderungen vergrößern den Anteil ethnischer Minderheiten an der Gesamtbevölkerung. Auch wenn das unmittelbar eine Verjüngung des Altersdurchschnitts zur Folge hat, ist dadurch die problematische Entwicklung der Altersstruktur nicht vollständig zu kompensieren.

Der ESPO vertritt gleichwertig die sportlichen Interessen fremder Bevölkerungsgruppen. Soweit von ihnen gewünscht, wird er deren Integration unterstützen.

9 Sport und Frauen

Der Anteil der Frauen im organisierten Sport ist in den letzten Jahren erheblich gestiegen. In der Altersgruppe bis 6 Jahre stellen Mädchen schon fast die Hälfte aller Mitglieder in Essener Vereinen. Frauen zwischen 15 und 35 machen in ihren Altersgruppen dagegen gerade ein Drittel der Mitglieder aus. Außerhalb des vereinsgebundenen Sports, beispielsweise in breiten- und gesundheitssportlichen Kursen des Bildungswerks, stellen Frauen in dieser Altersgruppe aber die absolute Mehrheit.

Es ist die Aufgabe des Essener Sportbundes, seine Vereine auf diese Befunde hinzuweisen und ihnen behilflich zu sein, ihre Sportangebote, ihr Sozialengagement, ihre Kommunikationsstruktur angemessen und bedarfsorientiert zu gestalten. Die Vereine werden darüber hinaus ermutigt, Frauen auch an Leitungsaufgaben angemessen zu beteiligen.

10 Sport und Finanzen

Der gemeinnützige Sport zeichnet sich im Gegensatz zu kommerziellen Sportanbietern unter anderem durch seine sozialverträglichen Mitgliedsbeiträge aus. Davon profitieren besonders Kinder und Jugendliche sowie deren Eltern. Nur selten und unzureichend passen aber die Vereine ihre Beiträge der allgemeinen Kostenentwicklung an.

Hinzu kommt nun jedoch, dass die öffentliche Sportinfrastruktur, die bisher selbstverständlich kostengünstig zur Verfügung stand, den Vereinen zunehmend in Form von Benutzungsgebühren in Rechnung gestellt wird. Dadurch geraten sie häufig in eine finanzielle Lage, die ein optimal gestaltetes Sportangebot erschwert. Vereine müssen dazu angehalten werden, sich der von ihnen erbrachten Leistung bewusst zu werden und eine angemessene Anhebung der Beitragssätze vorzunehmen.

Sportverbände dürfen nicht mehr davon ausgehen, dass sie ihre Aufgaben nahezu ausschließlich über direkte Mitgliedsbeiträge finanzieren können. Die Bedeutung „sekundärer“ Finanzierungswege über Zuschüsse, Projektmittel, Sponsoring oder Einnahmen aus wirtschaftlichen Tätigkeiten wächst stetig an. Je mehr die Politik das Vereinswesen als „billige Gehilfen“ zur Kompensation sozialer und gesellschaftlicher Fehlentwicklungen betrachtet, um so mehr sind die Verbände in dem Zwang, Konzepte zu entwickeln und Mittel zu erschließen, die es den Vereinen ermöglichen, ihre Arbeit fortzuführen.

Der Essener Sportbund fordert von der Politik, die Finanzierung des gemeinnützigen Sports als kommunale Pflichtaufgabe zu definieren und nicht als beliebige, freiwillige Leistung zu sehen.

11 Sport und Schule

Bei Schülerinnen und Schülern sind zunehmend Bewegungsdefizite festzustellen, denen auch durch regelmäßigen Sport in der Schule entgegengewirkt werden muss. Es bedarf eines qualifizierten, regelmäßigen Sportunterrichts. In Schulen sind aber nicht einmal überall Fachlehrer zur Erteilung des Sportunterrichts vorhanden. Darüber hinaus beklagt der Essener Sportbund, dass sich die Benotung von Schulsport oft noch zu einseitig am überlieferten Wettkampfsport und seinen Leistungsidealen orientiert; der Zugang zu einem umfassenden Fitness- und Gesundheitsgedanken wird dadurch versperrt.

Pausenhöfe von Schulen sollten so gestaltet werden, dass sie neben ihrer eigentlichen Zweckbestimmung auch als Sportanlage genutzt werden können.

Der Trend zur Ganztagsschule hat Auswirkungen auf die Kinder- und Jugendarbeit der Sportvereine. Der ESPO unterstützt die Einrichtung von freiwilligen Schülersportgemeinschaften zur Talentsichtung und -förderung. Nach dem Prinzip der Subsidiarität ist von den Schulen aber eine Öffnung und konsequente Einbeziehung der örtlichen Sportvereine zu fordern. Daher muss der Essener Sportbund e.V. / Sport Jugend Essen der Kooperationspartner im Bereich der offenen Ganztagsschule sein und auch zukünftig bleiben.

Weiterhin fordert der ESPO die nachbarschaftliche Zusammenarbeit zwischen Schulen und Vereinen im Bereich des Breitensports, beispielsweise bei Bezirkslaufveranstaltungen, Stadtteilolympiaden, aber auch Talentiaden, die als Sichtungsveranstaltungen dienen können.

Der ESPO fordert (siehe bitte Seite 2 Sportvielfalt, Leistungssport) die Einrichtung von Sportschulen für Kinder und Jugendliche, in denen Schüler sportlich und allgemeinschulisch gefördert werden.

Perspektivisch sind die Einrichtung von gymnasialen Oberstufen mit Sport als Unterrichtsschwerpunkt und die verstärkte Einrichtung von Sportinternaten gefordert.

12 Sport und Politik

Die politische Kompetenz des Sports und seiner Dachverbände kann sich nicht darin erschöpfen, den Erhalt von Sportstätten und Mittel für den Sportbetrieb einzufordern.

Gerade in Zeiten knapper Kassen muss es dem Sport zuerst gelingen, als Inbegriff für Bewegungs-, Körper- und Gemeinschaftskultur politisch anerkannt zu werden. Dazu muss der Sport seinen unverzichtbaren Wert für jede humane Stadtentwicklung ins öffentliche Bewusstsein bringen.

Der Essener Sportbund – Dachverband der Essener Sportvereine, darüber hinaus aber auch Vertreter allgemeiner sportlicher Bürgerinteressen – hat sich der Politik und der Administration zu stellen. Dabei kann er auf Partner bauen, die seine Initiativen zur Gestaltung eines bewegungsfreundlichen, gesunden Wohnumfeldes unterstützen. Das sind gesellschaftliche Organisationen des Gesundheits-, Sozial- und Umweltschutzbereichs, der Arbeitsverwaltung, Institutionen und Einrichtungen der Kultur und Denkmalpflege, der Regional- und Landschaftsplanung etc. auf kommunaler, regionaler, Landes- und Bundesebene.

Für die Durchsetzung sportpolitischer Ziele kommt der Zusammenarbeit mit der Politik ein besonderer Stellenwert zu. Auf die strikte Wahrung des Subsidiaritätprinzips, nach dem der Sport seine Angelegenheiten in eigener Regie und Verantwortung betreibt, ist bei der Kooperation mit der Verwaltung zu achten. In Nordrhein-Westfalen ist die Pflege und Förderung des Sports Verfassungsgebot. Bei dessen Umsetzung ist der ESPO als „sachkundiger Einwohner“ gefordert.

13 Sport und Wirtschaft

Der gemeinnützige Sportbereich in Essen hat sich zu einem, auch von Seiten der Wirtschaft, akzeptierten Gesprächspartner entwickelt. Dies liegt zum einen an den Geldmitteln, die der Sport bei der Renovierung, Umgestaltung und Neuschaffung von Sporteinrichtungen mittels Auftragsvergabe in die Wirtschaft transferiert, zum anderen am positiven Imagewert, den der Essener Sportbund als Mitgestalter von Stadtentwicklung vermittelt.

Der ESPO weist die Wirtschaft beharrlich auf die wirtschaftliche, soziale, gesundheits- wie bildungspolitische Bedeutung des Sports auch im Zusammenhang der Standortdiskussion hin und bietet sich insgesamt als Kommunikationssystem an.

Durch den zunehmend eigenständigen Betrieb und die Bewirtschaftung von Sporteinrichtungen entwickelt sich der gemeinnützige Sport zu einem interessanten Werbepartner für die Wirtschaft. Der ESPO ermuntert seine Mitgliedsvereine deshalb zur überzeugenden Darstellung ihrer jeweiligen Leistungsfähigkeit.

Im Bereich der Kinder- und Jugendförderung fordert der ESPO die Wirtschaft zu größerem sozialen Engagement auf.

14 Sport und Beschäftigungsförderung

Der organisierte Sport ist ein wesentlicher Motor aktiver kommunaler Beschäftigungsförderung und -politik. Hierfür spricht eine Vielzahl von Einsatzfeldern. Sie reichen vom Umbau oder der Renovierung von Sportanlagen über die Qualifizierung von Arbeitslosen für Sportstättenpflegedienste bis zum Einsatz von Fachkräften in Verwaltung und sportpraktischen Bereichen des expandierenden Sportvereinsmarktes.

Durch die angespannte kommunale Haushaltssituation wird die städtische Sportverwaltung auf lange Sicht in ihren Möglichkeiten beschnitten, sowohl personell als auch in ihrer Ausstattung mit Sachmitteln.

In bestimmten Fällen kann der Essener Sportbund das kompensieren, wie z. B. durch eigene Beschäftigungsinitiativen, die sich in Kooperation mit dem Arbeitsamt im Rahmen des „Essener Konsens“ realisieren lassen.

15 Sport und Umweltschutz

Der Umweltschutz hat in unserer Gesellschaft an Bedeutung gewonnen und greift immer mehr auch in die Zusammenhänge des Sportsystems hinein.

Als eine der wichtigsten Aufgaben im Konfliktfeld Sport und Umwelt betrachtet der Essener Sportbund die Aufrechterhaltung eines permanenten Dialogs mit allen am Konflikt Beteiligten. Dabei versucht er, die Interessen eines umweltverträglichen Sports zu vertreten und seinen Mitgliedern Handlungskonzepte zu vermitteln.

16 Sport und Bildung

Schon bei den alten Griechen galt derjenige als ungebildet, der nicht schreiben und nicht schwimmen konnte. Sport initiiert und fördert Lern-, Erfahrungs- und Bildungsprozesse.

Die Erlangung einer sportlichen Fertigkeit fordert vom Trainierenden ein kontinuierliches, systematisches und über einen längeren Zeitraum angelegtes Aktivitätsverhalten. Dies will der Essener Sportbund in seinen Vereinen und Verbänden all denen ermöglichen, die während ihrer Schulzeit oder wegen anderer persönlicher Faktoren diese Fertigkeiten nicht erlangen konnten.

Der ESPO begreift Bildungsarbeit jedoch nicht nur als eine Form des aktiven Sporttreibens. Er will sich konsequent einmischen in gesellschaftspolitisch relevante Fragestellungen, die über den Sport hinausgehen, durch die Veröffentlichung von Positionen sowie die Durchführung von Projekten, Tagungen und Kongressen.

17 Sport und Medien

Die Medien- und Technologielandschaft macht einen ungebremsten rasanten Entwicklungsprozess durch. Besonders durch die Verknüpfung elektronischer Medien eröffnen sich für den Sport neue Möglichkeiten, seine Leistungsangebote auch bisher noch sportabstinenten Bürgerinnen und Bürgern zu offerieren.

Der Essener Sportbund ist bestrebt, den technologischen Fortschritt für sich und seine Vereine zu Nutze zu machen. Durch das Medium Internet wird es den Vereinen möglich sein, ihre Leistungen und Angebote für jeden Sportinteressierten schnell und jederzeit abrufbar vorzuhalten.

Vor diesem Hintergrund ist es notwendig, eine Internetplattform für den Sport vorzuhalten, indem alle sportrelevanten Daten gesammelt und öffentlich zugänglich sind. Die Vereine sollen zu einer aktiven Mitarbeit an dieser Plattform ermutigt werden. Der Essener Sportbund wird, soweit es ihm möglich ist, die Bemühungen der Vereine unterstützen.

Ungeachtet dessen, dass der technologische Fortschritt Bestandteil unseres Lebens geworden ist, wird der Essener Sportbund weiterhin besonderen Wert darauf legen, dass das Prinzip des gemeinsamen Sporttreibens Priorität behält und es nicht zu einer weiteren Singularisierung der Menschen mit ihren Interessen in dieser Stadt kommt.