Manfred Brocker: Zum 75sten zur Tischtennis-WM nach Neuseeland

Als 1982 in Göteborg die Premiere der Weltmeisterschaften für Tischtennis-Senioren stattfand, nahmen 450 Starter aus 21 Nationen teil. Inzwischen steht der Rekord bei 3.650 Teilnehmern.

Diese Zahlen von 2006 in Bremen wurden bei den 17. Titelkämpfen im neuseeländischen Auckland zwar nicht übertroffen, denn dazu trugen vor allem die Entfernung und Kosten bei. Das ist auch der Grund, warum diesmal nicht wie üblich ein gutes Dutzend Essener WM-Luft schnuppern wollte, sondern sich nur Manfred Brocker (TTV Altenessen) das nicht billige Vergnügen leistete.

Die ersten Erfahrungen auf internationalem Parkett hatte der 74-Jährige bereits 1994 in Melbourne gemacht und war danach auch in Lillehammer, Vancouver, Luzern und Bremen dabei. Seinen größten Erfolg bei den nunmehr sechs Weltmeisterschaften feierte er 2002 in der Schweiz mit der Bronzemedaille im Doppel der Altersklasse 60-64.

 „Eine solche Reise ist nun mal ein besonderes Erlebnis. Die WM ist zwar der Anlass  aber wie schon in Australien und Kanada, habe ich zuvor wieder eine Sightseeing-Tour gebucht, um Land und Leute etwas kennen zu lernen“, schwärmt Manfred Brocker immer noch von dem Trip ans andere Ende der Welt und den vielen Eindrücken, sagt aber auch: „Nochmals würde ich mir die Strapazen aber nicht antun.“

Mit Zwischenlandungen in Singapur dauerte der Hin- und Rückflug jeweils dreißig Stunden und das Besichtigungsprogramm über die Nord- und Südinsel war ebenfalls anstrengend. „Als wir dann in Auckland ankamen und das Turnier begann, hatten wir einige Wochen keinen Schläger mehr in der Hand gehabt.“ Die Eingewöhnung in der Halle mit über sechzig Tischen gelang jedoch recht gut, denn in seiner Vorrundengruppe stand er zwar gegen einen wieselflinken Japaner auf verlorenem Posten, aber mit dem Gewinn der übrigen beiden Spiele gelang der Einzug in die Hauptrunde. Nach weiteren Siegen über einen Australier und einen Italiener war die Runde der letzten 32 mit einer 0:3-Niederlage gegen einen Taiwanesen Endstation. Zusammen mit seinem Bochumer Partner Diethard Zillich ärgerte er sich, dass im Doppel nach zuvor vier Siegen durch eine unglückliche Niederlage mit 11:13 im fünften Satz gegen die Russen Davidenko/Virgasov der Sprung in das Viertelfinale verpasst wurde.

Trotzdem zieht Manfred Brocker auch sportlich ein zufriedenes Fazit, denn bei der Vielzahl ebenso starker wie meist leichtgewichtiger Asiaten konnte man nicht viel mehr erwarten. Von den insgesamt 1.700 Teilnehmern aus 59 Nationen starteten allein 143 in seiner Klasse, der AK70-74.

Manfred Brocker, in der 4. Mannschaft des TTV Altenessen aktiv, jagt dem kleinen weißen Ball schon seit 1955 hinterher. Nach den Anfängen beim BVA gehörte er zu den Gründungsmitgliedern  der DJK St. Johann Altenessen, aus dem der jetzige TTVA hervorging. Außerdem ist er seit 2008 Seniorenwart im Kreis Essen und engagiert sich seit vielen Jahren stark dafür, dass man Tischtennis auch im fortgeschrittenen Alter auf hohem Niveau spielen kann.

Seinen 75. Geburtstag konnte Manfred Brocker übrigens ungewöhnlich lang feiern. Der begann schon am Abreisetag in Auckland, aber durch die Zeitumstellung verlängert sich der Tag um weit mehr als 24 Stunden bis zum Zwischenstopp in Singapur.

Winfried Stöckmann

Bild: © Winfried Stöckmann

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