Pressekonferenz des ESPO´s und der Vereine zum Gutachten

Am 25.08.2015 trafen sich der Essener Sportbund e.V. und Essener Sportvereine (MTG Horst, TVE Burgaltendorf, TUSEM Essen, SGZ Alte Badeanstalt, Trägerverein Stadtbad Kupferdreh) zu einer Pressekonferenz zum Gutachten der GPA „Erschließung und Konsolidierungspotentiale bei den Sport- und Bäderbetrieben“

Nachdem der Essener Sportbund in der Ausschusssitzung am 18.8.2015 seine erste Bewertung zum Gutachten der GPA präsentiert hat, wollten sich eine Reihe Essener Sportvereine ebenso zu ihren Einschätzungen mit den Auswirkungen für ihre Vereine äußern.

Gerd Peter Wolf, 1. Vorsitzender des Trägervereins Alte Badeanstalt, berichtete, dass er sich seit geraumer Zeit mit der Aufgabe, den Betrieb der Alten Badeanstalt zu organisieren, alleine gelassen fühlt. Bislang haben sich die Stadt und der Trägerverein die Aufgaben geteilt und in der Vergangenheit stets gemeinsam schwierige Situationen überstanden sowie kreative Lösungen zum Wohl der Alten Badeanstalt gefunden. Seit Ende letzten Jahres sei kein Vertreter der Stadt mehr im Vorstand erschienen. Der Trägerverein habe öffentliche Aufgaben übernommen und der Stadt geholfen, erhebliche Einsparungen zu generieren. Neben einem überaus attraktiven Sportangebot für den Stadtteil habe die Stadt besonders durch das ehrenamtliche Engagement mehr Geld aus dem Trägerverein erhalten, als sie als Betriebskostenzuschuss bereitgestellt habe. Unter Missachtung dieser Leistung schlagen die Gutachter in ihrer Bewertung vor, dass die Sport- und Gesundheitszentren, somit auch die Alte Badeanstalt, stärker zur Kasse gebeten werden sollen. Die Mehraufwendungen, so die Gutachter, könnten durch erhöhte Kursgebühren ausgeglichen werden. Gerd Peter Wolf warnte davor, diesen Gedanken weiter zu verfolgen. Alle Preissteigerungen durch Energie- und Personalkosten hätten dazu geführt, dass die Kursgebühren stets moderat angepasst werden mussten. Diese Preisschraube kann nicht unendlich weiter gedreht werden. Bereits jetzt schon sei der Trägerverein kurz vor der Verlustzone. Durch eine Erhöhung der Abgaben an die Sport- und Bäderbetriebe würde der Verein auf tiefrote Zahlen zusteuern. Er als erster Vorsitzender trage eine Menge Verantwortung, und dies ehrenamtlich. Er ist nicht mehr bereit, persönlich in die Haftung genommen zu werden, um Defizite auszugleichen, die aus der Übernahme von öffentlichen Aufgaben resultieren. Letztendlich wird er dem Trägerverein vorschlagen, das Engagement zu beenden, den Trägerverein aufzulösen und die Aufgaben, die bisher gemeinsam geschultert wurden, wieder in die Trägerschaft der Stadt Essen zu übergeben. Mit dem Vorschlag der Gutachter erreicht die Stadt keine Mehreinnahmen, sondern muss mehrere Hunderttausend Euro drauflegen, um den Betrieb der Alten Badeanstalt mit eigenem Personal gewährleisten zu können. Ob die Stadt das hochqualifizierte und angesehene Sportangebot aufrechterhalten kann, bezweifelt er. Also wird die Stadt Essen eine Menge mehr investieren müssen für einen Rumpfbetrieb, der mit der jetzigen Ausrichtung der Alten Badeanstalt in keiner Weise zu vergleichen ist.

(Hier können Sie die Präsentation einsehen.)

Dass auch der Sport einen Beitrag zur Haushaltskonsolidierung leisten müsse, sieht Brigitte Wawrowsky, 1. Vorsitzende des Trägervereins Stadtbad Kupferdreh, durchaus ein. Aber nur durch das hohe Engagement des Trägervereins konnte das Stadtbad Kupferdreh seit der Übernahme der Betriebsführung erheblich kostengünstiger gefahren werden, als wenn es durch die Stadt Essen betrieben würde. Bis jetzt sei es gelungen, durch das gute Angebot jedes Jahr einen kleinen Überschuss zu erzielen, der ausnahmslos in die Renovierung und Instandhaltung des Bades fließt. Die IG Kupferdreh hat im Laufe ihrer Betriebsführerschaft über 700 T€ in die Renovierung und Instandsetzung des Bades gesteckt. Eine höhere Abgabe an die Sport- und Bäderbetriebe würde dazu führen, dass keine Investitionen mehr vorgenommen werden könnten. Möglicherweise steuert die IG auch auf einen nicht mehr ausgeglichenen Haushalt zu. Eine Preisweitergabe an die Kursteilnehmer sieht Frau Wawrowsky als sehr kritisch an, da sich dann der normale Durchschnittsverdiener das Sportangebot nicht mehr leisten kann. Der Interessengemeinschaft ist es aber gerade wichtig, auch für diese Personen ein qualifiziertes Sportangebot vorzuhalten. Überdies führte Frau Wawrowsky an, dass sich bei einer Erhöhung der Kursgebühren, kombiniert mit den geplanten Eintrittspreiserhöhungen, auch Teilnehmer abmelden. Dies führt im Endergebnis zu geringeren Einnahmen. Diese Sichtweise scheint den Gutachtern völlig unbekannt zu sein.

Herr Ludwig, 1. Vorsitzender der MTG Horst (Essens größter Verein mit 3.500 Mitgliedern), berichtet, dass die MTG Horst neben vereinseigenen Sporträumen in 17 Turnhallen Nutzungszeiten angemietet hat. Dafür zahlt der Verein jährlich 16 T€. Nach Vorstellung der Gutachter soll der Verein dafür nochmals 32 T€ zusätzlich zahlen. Die MTG Horst unterbreitet ihre Sportangebote in Stadtteilen, in denen viele sozial benachteiligte Menschen wohnen. Diese Menschen, die jetzt noch Sport bei der MTG Horst treiben, werden bei einer Gebührenerhöhung nicht mehr in der Lage sein, das Sportangebot wahrzunehmen. Um ihrer sozialen Verantwortung gerecht zu werden, bietet die MTG Horst vor dem gerade geschilderten Hintergrund viele Sportangebote an, die nahezu kostenfrei sind, wie z. B. das durch die Bundeskanzlerin ausgezeichnete Projekt United Sports. Der Verein hat eigene Sporträume gebaut, weil die Stadt keine zusätzlichen Sporträume zur Verfügung stellen kann. Diese Sporträume befinden sich angrenzend an das Schwimmzentrum Oststadt. Um Kosten bei der Errichtung der eigenen Sporträume zu sparen, hat der Verein auf die Errichtung eigener Umkleide und Duschen verzichtet und nutzt die Räumlichkeiten im Schwimmzentrum Oststadt. Dafür entrichtet der Verein jährlich 14 T€. Auch hier ist eine Verdreifachung der Nutzungsgebühren für den Verein nicht darstellbar. Der Verein wäre gezwungen, viele seiner Leistungen, die der Bevölkerung im Stadtteil zugute kommen, einzustellen.

Der Vorsitzende der TVE Burgaltendorf, Eckhard Spengler, berichtete, dass sein Verein ebenfalls eigene Sporträume errichtet habe, weil in Burgaltendorf nicht genügend Sporträume zur Verfügung stehen. Auch der TVE Burgaltendorf hat dadurch die Stadt von Kosten entlastet. Durch die eigenen Sporträume kann der Verein gerade älteren Menschen ein Sportangebot in unmittelbarer Nähe zu ihrem Wohnort anbieten. Herr Spengler berichtete, dass die vereinseigenen Räume zu einem sozialen Treffpunkt für Jung und Alt im Stadtteil geworden sind. „Wir erhöhen mit unserem Angebot die Lebensqualität in unserem Stadtteil Burgaltendorf. 50 % unserer Angebote befinden sich mittlerweile im nicht sportlichen Bereich und sind weitestgehend gebührenfrei, weil wir als sozialer gemeinnütziger Verein dies als unsere Aufgabe

ansehen.“ Da die vereinseigenen Räume nur eine Ergänzung zu fehlenden Hallenzeiten sind, benutzt der Verein auch Turnhallen und das Lehrschwimmbecken in der benachbarten Schule. Für die Nutzung der Turnhallen bezahlt der Verein derzeit 7 T€ im Jahr. Wenn die Gebühr auf 21 T€ steigt, kann der Verein sein soziales Engagement für den Stadtteil nicht mehr aufrechterhalten und muss viele bisher kostenfreie Angebote einstellen. Ansonsten kann der Verein nicht überleben. Ein

besonderer Problemfall für den Verein ist die Benutzung des Lehrschwimmbeckens in der benachbarten Schule. Da die Stadt keine ausreichende Anzahl von Mitarbeitern hat, um das Bad in Betrieb zu nehmen oder zu beaufsichtigen, hat der Verein 8 Mitarbeiter auf eigene Kosten schulen lassen, damit das Vereinsangebot auch bei fehlendem städtischen Personal aufrechterhalten werden kann. Durch ständige technische Defekte fällt das Bad über lange Strecken für die Vereins- aber auch Schulnutzung aus. Dennoch muss der Verein die Gebühren in voller Höhe zahlen. Herr Spengler berichtet, dass er und seine Vorstandsmitglieder ernüchtert sind. Der Verein versucht, mit hohem ehrenamtlichem Engagement Lebensqualität in Burgaltendorf zu schaffen. Dieses Engagement wird in keiner Weise honoriert.

Jens Wachowitz, Geschäftsführer des Tusem, berichtete, dass eine mögliche Gebührenerhöhung den Verein mit 40 T€ treffen würde. Dies sei unmöglich aufzufangen, da der Tusem erst noch die Lasten für sein eigenes Vereinsgebäude schultern muss. Auch der Tusem hat sich wegen fehlender Sporträume verschuldet und zur Entlastung der Stadt eigene Sporträume geschaffen. Herr Wachowitz ist mehr als entsetzt darüber, dass sich von der Stadt offensichtlich bis heute niemand eingehend mit dem Gutachten beschäftigt hat. „Wir als Vereine erhalten immer mehr Aufgaben und nehmen diese auch selbstverständlich an. Als Dank dafür erhalten wir nicht mal eine Anerkennung. Die Gutachter haben mit ihren Ausführungen bewiesen, dass sie von der sozialen Komponente des Sports keinerlei Ahnung haben und nicht in der Lage sind, auch nur ansatzweise kreative Ideen zu entwickeln. Hieran mangelt es dem Gutachten in erheblichem Umfang. Anstatt der Stadt zu helfen und Alternativen zu unterbreiten, haben die Gutachter nur ein reines Rechenwerk, angereichert mit handwerklichen Fehlern, präsentiert“.

Der Vorsitzende des Essener Sportbundes, Dr. Görgens, bedankte sich ausdrücklich für das besondere Engagement der Essener Vereine, das ausschnittsweise durch die anwesenden Vereinsvertreter eindrücklich geschildert wurde. Die ehrenamtlichen Vereinsvertreter zeigen durch ihr persönliches Handeln ein hohes soziales Engagement, das das sportliche soziale Leben in dieser Stadt erheblich bereichert. Überdies tragen sie durch ihr Handeln zur Entlastung des städtischen Etats bei, da sie Einrichtungen der Stadt betreiben oder ein soziales Angebot für die Bürgerinnen und Bürger in den Stadtteilen vorhalten. Diese Arbeit wird nicht ansatzweise von der Stadt gewürdigt oder unterstützt. Die ständigen Spardebatten bei der Stadt, von denen der Sport immer wieder hart getroffen wird, sprechen eine deutliche Sprache. Die Vorschläge der Gutachter bewerten mit keinem Satz die soziale Leistungsbereitschaft der Vereine. Sollten die Vorschläge der Gutachter unreflektiert umgesetzt werden, ist jetzt schon abzusehen, dass viele Vereine ihre Aktivitäten einstellen werden. Verlierer werden die Sportlerinnen und Sportler sein, die sich die zahlreichen sozialen Angebote nicht mehr leisten können bzw. vor verschlossenen Türen stehen, weil der Verein nicht mehr existiert.

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