Traditionsclub ETB Schwarz-Weiß kämpft ums Überleben

Vom Ruhm vergangener Tage kann sich der ETB derzeit nichts kaufen. Jahrzehntelang waren die Schwarz-Weißen die zweite Kraft im Essener Fußball, rüttelten ab und an sogar an der Vormachtstellung der Rot-Weissen aus Bergeborbeck. Lang, lang ist’s her. Während der Fusionsclub FC Kray vor wenigen Wochen mit einem 4:2-Erfolg im Derby gegen RWE für Aufsehen sorgte und auf dem besten Weg ist, sich in der Regionalliga West zu etablieren, ist der Traditionsclub vom Uhlenkrug fast am Tiefpunkt angelangt. Mit nur fünf Punkten aus zehn Spielen belegen die Schwarz-Weißen in der Oberliga Niederrhein den vorletzten Platz, es droht der Abstieg in die Landesliga.

Dabei zählte der Uhlenkrug einst zu den ersten Adressen im Ruhrgebiets-Fußball, der dort beheimatete ETB wurde in einem Atemzug mit Borussia Dortmund und Schalke 04 genannt. 1959 gewann der Verein aus dem Essener Süden durch einen 5:2-Erfolg über Borussia Dortmund den DFB-Pokal, Namen wie Küppers, Rummel, Trimhold oder Schieth kannte damals jedes Kind. In den 1970er Jahren waren die Schwarz-Weißen zumindest noch Stammgast in der Zweiten Liga, Mitte der 1980er klopften sie ein letztes Mal an die Pforte zum Profifußball. 30000 Zuschauer sorgten beim Derby am Ostermontag 1985 an der Hafenstraße für einen Drittliga-Rekord: Rot-Weiss gegen Schwarz-Weiß, Erster gegen Zweiter, Arbeiterverein gegen Lackschuhclub. Am Ende gewannen die Roten mit 3:1 und schafften hernach den Zweitliga-Aufstieg.

Bei den Schwarzen begann hingegen ein langsamer Verfallsprozess, der im Frühjahr 2014 in einer massiven Führungskrise gipfelte. Wenige Wochen vor Beginn der neuen Saison hatte das Vereinsschiff bedenklich Schlagseite und der Oberligist plötzlich keine Mannschaft mehr. Zwar gelang es dem neuen Vorstand und Aufsichtsrat, in dem auch Ehrenvorsitzender Heinz Hofer sitzt, den Untergang zu verhindern und in Windeseile ein neues Team zusammenzustellen, doch war allen Beteiligten angesichts der Umstände klar, dass die Saison 2014/2015 die schwerste in der 114-jährigen Geschichte der Fußballabteilung des Essener Turnerbundes von 1886 werden würde.

Mein einem solch katastrophalen  Fehlstart hatte allerdings niemand gerechnet. Die wenigen Getreuen, die sich am Uhlenkrug verlieren, kommen sich inzwischen fast genauso vor wie der Butler in der Silvester-Kultsendung „Dinner for one“: Woche für Woche erleben sie die gleiche Prozedur. Auch im jüngsten Auswärtsspiel beim Spitzenreiter VfR Krefeld-Fischeln spielten die Schwarz-Weißen ordentlich, Stürmer Blerton Balaj (gelbes Trikot) hatte allein vier Großchancen. Der Spitzenreiter hingegen kam einmal gefährlich vor das Tor, und die Essener standen wieder mit leeren Händen da. So wie vier Tage zuvor im Niederrheinpokalspiel gegen den TV Jahn Hiesfeld, als sie in der fünften Minute der Nachspielzeit das 1:2 kassierten. Aus der Traum vom lukrativen Derby gegen RWE oder gegen Kray. Seit nunmehr sieben Pflichtspielen ist der ETB sieglos, und Trainer Mircea Onisemiuc geht die Erfolglosigkeit langsam auf die Nerven: „Ich habe die Schnauze voll. Uns wird immer guter Fußball attestiert, aber wir verlieren ständig. Das ist bitter“, schimpfte der Rumäne nach der Niederlage in Fischeln.

In der Winterpause werden die Schwarz-Weißen den viel zu engen Kader qualitativ auffrischen müssen, um den drohenden Abstieg zu verhindern. Geld ist am Uhlenkrug allerdings noch weniger vorhanden als anderswo, ein Trikotsponsor bisher nicht in Sicht. Vor ein paar Tagen wurde deshalb im Beisein des „berühmten Sohnes“ Oliver Bierhoff das „Projekt Zukunft“ vorgestellt. Der ETB sucht 50 Sponsoren, die für 1000 Euro ein Werbepaket kaufen. Jeder Käufer nimmt automatisch an einer Verlosung am Ende der Aktion teil. Hauptgewinn der Verlosung ist das Trikot-Sponsoring für die Rückrunde der aktuellen Saison sowie die komplette Spielzeit 2015/16. Mal sehen, wo der Traditionsclub dann spielt.

Michael Köster

Bild: © ETB SW Essen

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