Trauer um RWE-Legende August Gottschalk

Die aktuelle Spielzeit hat Rot-Weiss Essen der Meistermannschaft von 1955 gewidmet, in Anlehnung an die goldenen 1950er Jahre trägt die Regionalliga-Truppe seit wenigen Wochen ein Trikot mit dem charakteristischen V. Der bekannteste Spieler war damals sicher „Boss“ Rahn, doch der Chef dieser legendären Elf war eindeutig August Gottschalk. Er war der Kapitän, er gab den Takt vor, sein Wort hatte selbst beim Präsidenten Georg Melches Gewicht. Im Alter von 92 Jahren ist der RWE-Ehrenspielführer vor wenigen Tagen gestorben.

Bei der Seitenwahl am 26. Juni 1955 im Niedersachsenstadion von Hannover standen sich zwei Legenden gegenüber. Hier der 34-jährige Fritz Walter, der ein Jahr zuvor bei der Fußball-Weltmeisterschaft in der Schweiz als Kapitän das „Wunder von Bern“ mit vollbracht hatte, dort der 33-jährige August Gottschalk, der großen Anteil daran hatte, dass sich Rot-Weiss Essen nach dem Pokalsieg 1953 erstmals für das Endspiel um die Deutsche Meisterschaft qualifiziert hatte. Im Gegensatz zu Walter, dem verlängerten Arm des damaligen Bundestrainers Sepp Herberger, bestritt Gottschalk allerdings nicht ein einziges Länderspiel. Vielleicht, weil er dem Pfälzer in seiner Spielart zu sehr ähnelte.

Der RWE-Kapitän trug zwar die Nummer 9, doch eigentlich war er der Spielmacher der Meistermannschaft, der kreative Kopf im offensiven Bereich, der die gefährlichen Angreifer bediente. Die eigentlichen Torjäger im rot-weissen Trikot waren Helmut Rahn und „Penny“ Islacker, der beim 4:3-Erfolg in Hannover gleich dreimal traf.

In jungen Jahren war der gebürtige Altenessener Gottschalk allerdings schon ein Strafraumspieler. Er war schnell, aufgrund seiner kräftigen Statur aber auch sehr zweikampfstark und traf häufig mit dem Kopf. Nach seinem Wechsel vom ESC Preußen an die Hafenstraße gab er mit 17 Jahren sein Debüt in der ersten Mannschaft. In 186 Oberliga-Spielen erzielte er 99 Tore.

Nach dem Titelgewinn 1955 beendete August Gottschalk seine Karriere und ging als Spielertrainer zum SV Borbeck, der damals in der Verbandsliga kickte. In der Nähe des Borbecker Schlossparks wohnte er jahrzehntelang mit seiner Frau, seinen Lebensabend verbrachte er im Altenwohnheim St. Thomas an der Vogelheimer Straße.

Nur wenige hundert Meter davon entfernt befand sich einst sein „Wohnzimmer“. Gleich dahinter wurde 2012 das neue Stadion Essen eröffnet, dessen Gästetribüne nach dem Mann benannt wurde, der Rot-Weiss Essen als Kapitän zum größten Triumph der inzwischen fast 108-jährigen Vereingeschichte geführt hatte: August Gottschalk.

Michael Köster

Bild: © Archiv

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