Vom Schauspieler zum Sportjournalisten – Erwin Remplewski wird 90

Erki – hinter diesem Kürzel verbergen sich Tausende von Geschichten, Hunderttausende von Zeilen rund um den Sport. Erki – dahinter verbirgt sich der Journalist Erwin Remplewski, der die beiden Anfangs- und die beiden Endbuchstaben seines Namens zu seinem Markenzeichen machte. Am 10. Oktober feiert der Schönebecker seinen 90. Geburtstag, und der Essener Sportbund gratuliert ihm besonders herzlich, hat er doch fast zwei Jahrzehnte lang die vom ESPO herausgegebene Lokalchronik „Sportschau Essen“ redaktionell betreut.

Wenn einer Geschichten und Anekdoten aus der Welt des Sports erzählen kann, dann Erwin Remplewski. Er hat Box-Legende Max Schmeling noch live erlebt, er hat Tennis-Königin Steffi Graf geliebt und die Formel 1 verabscheut. Er kann sich noch an Zeiten erinnern, wo nicht der TuSEM, sondern der SC Phönix die Nummer eins im Essener Handball war, und er war dabei, als Rot-Weiss Essen noch auf Augenhöhe mit Schalke 04 oder Borussia Dortmund agierte. „Damals standen die Fans noch mit der Bratwurst in der Westkurve, heute wollen sie doch alle nur ihren Hintern in Sitzschalen pressen“, hat Erki einmal gesagt.

Zum Journalismus kam der Autodidakt übrigens erst „auf dem zweiten Bildungsweg“.

Nach der Volksschule und einer Kaufmannslehre im damaligen Hüttenwerk von Krupp in seiner Heimatstadt Rheinhausen war Erwin Remplewski sechs Jahre Schauspieler am Theater und wirkte sogar an der deutschen Erstaufführung von „Endstation Sehnsucht“ mit. Außerdem drehte er drei Dokumentarfilme. Seine Gestik und Mimik zeugen von der Schauspielzeit. Der Schöngeist, stets korrekt gekleidet mit Hemd, Krawatte und Sakko, liebt klassische Literatur, preist die deutsche Sprache und hasst Anglizismen. Er diskutiert leidenschaftlich gern, er liebt es zu streiten, aber alles mit Niveau.

Erst 1952 kam „Erki“ zur Zeitung, wurde als freier Mitarbeiter zunächst als Theaterkritiker und Gerichtsreporter eingesetzt, später dann als Sportberichterstatter. In den 1960er Jahren wurde er Redakteur bei der Neuen Ruhr-Zeitung (NRZ), 1973 wechselte er zur Westdeutschen Allgemeinen Zeitung (WAZ), war von 1978 bis 1990 in der Sportredaktion unter anderem Experte für Boxen und Eishockey. „Ich war Sport interessiert, aber nie euphorisch, sondern immer ein nüchterner Beobachter“, betont Erwin Remplewski, der gerne Glossen schrieb und Reportagen bevorzugte. Schreiben hatte für ihn etwas Beruhigendes: „Wenn es mir schlecht geht, stecke ich mir eine Pfeife an, setzte mich an meine Schreibmaschine, und alles ist vergessen“, hatte „Erki“ einmal verraten.

Dem Journalismus blieb er auch nach seinem Abschied von der WAZ eng verbunden. 1991 rief Erwin Remplewski die vom Essener Sportbund herausgegebene Lokalchronik „Sportschau Essen“ ins Leben, war bis 2009 als Autor tätig. Seine Lieblingsthemen: natürlich Nostalgie-Geschichten. Denn davon konnte „Erki“ eine Menge erzählen.

Michael Köster

Bilder: © Klartext Verlag

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